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Der Wiederstart ist die erste Spielform

Vor den Spanien-Tests trifft sich die DHB-Auswahl nach 166 Tagen wieder. Für Trainer ist das ein konkreter Bauplan: Wie lädt man Spielidentität neu, ohne die Woche zu überfrachten?

Field Note 24.09.2026 8 Min Lesezeit Handball One Redaktion

Großwallstadt, 22. September 2026: Der DHB spricht von 166 Tagen zwischen dem letzten und dem nächsten Länderspiel. Zwei Einheiten, Reise, ein Abschlusstraining in Granollers, dann Spanien. Mehr Wiederstartlabor bekommt man kaum.

Nach langer Pause entscheidet nicht die Menge der wiederholten Inhalte, sondern ob Trainer in wenigen Einheiten drei gemeinsame Zustände herstellen: erste Abwehrsprache, Anschluss nach Ballgewinn und klare Rollen gegen den gegnerischen Schwerpunkt.

Die Szene ist unspektakulär und gerade deshalb wertvoll. Montag Lehrgangsbeginn in Großwallstadt, Mittwoch Flug nach Barcelona, Bus nach Granollers, Donnerstag noch einmal Training, Freitagabend das erste Spiel. Dazwischen liegt keine lange Vorbereitung, sondern ein Verdichten. Der DHB schreibt, dass 166 Tage zwischen dem 45:25 gegen Belgien im April und dem ersten Spanien-Test am 25. September liegen. In diesen 166 Tagen wurden Spielerinnen Weltmeisterinnen mit der U20, wechselten Vereine, beendeten Karrieren oder kamen aus neuen Rollen zurück. Genau so fühlt sich auch Vereinshandball nach Ferien, Verletzungen, Klassenfahrten oder einem blockierten Hallenmonat an: Die Mannschaft ist bekannt und trotzdem nicht dieselbe.

Der aktuelle Anlass ist also nicht nur die Frage, ob Deutschland in Granollers gewinnt. Spannender ist, was Trainer aus dem Wiederstart lesen können. Markus Gaugisch beschreibt die Aufgabe sinngemäß so: Die Mannschaft hat ihre DNA in verschiedenen Spielphasen, aber einzelne Bereiche unterscheiden sich vom früheren Playbook und müssen schnell wieder auf ein gutes Niveau. Das ist eine präzise Trainingsfrage. Wenn wenig Zeit bleibt, darf der Plan nicht aus allen alten Antworten bestehen. Er muss entscheiden, welche gemeinsamen Bilder zuerst wieder tragfähig werden.

Was bestätigt ist

Fünf Fakten tragen die Einordnung:

  • Der DHB meldete am 22. September 2026: 166 Tage liegen zwischen dem letzten Länderspiel der deutschen Frauen und dem Spanien-Doppelpack in Granollers.
  • Die deutsche Mannschaft startete am 21. September in Großwallstadt, reiste am 23. September nach Spanien und trainiert vor dem ersten Test am 25. September noch einmal in Granollers.
  • Spanien konzentriert sich laut RFEBM vom 21. bis 27. September in Granollers und spielt am 25. sowie 27. September gegen Deutschland.
  • Der DHB beschreibt Spanien unter Joaquín Rocamora als Team im Umbruch mit durchgängiger Ausbildungs- und Spielidee bis in den A-Bereich; die spanische RFEBM nennt den Lehrgang Teil der Vorbereitung auf die kommenden internationalen Aufgaben.
  • Die Women’s EHF EURO 2026 findet im Dezember statt; Deutschland spielt in Gruppe F in Bratislava gegen Schweden, die Slowakei und Serbien, Spanien in Gruppe C in Antalya.

1. Nicht alles wiederholen, sondern Zustände bauen

Der häufigste Fehler nach einer langen Pause ist Vollständigkeit. Trainer wollen Auftakte, Abwehrformationen, Überzahl, Unterzahl, Torwart-Abwurf, Siebenmeter, Anwurf, Positionswechsel und Standards wieder anfassen. Das fühlt sich fleißig an, macht aber die Mannschaft oft langsamer. Nach 166 Tagen ist nicht jede Variante gleich dringend. Dringend sind die Zustände, in denen Spielerinnen dieselbe Situation gleich benennen: Wo ist unser erster Kontakt in der Abwehr? Was ist der sichere Anschluss nach Ballgewinn? Wer übernimmt die Kommunikation, wenn eine neue oder veränderte Rolle neben mir steht?

Für Deutschland ist diese Frage konkret, weil in der Abwehr nach dem Karriereende von Aimée von Pereira und der Babypause von Xenia Smits wichtige Rollen neu sortiert werden. Gaugisch nennt Marie Steffen und Ida Petzold als Spielerinnen, die in diesem Raum relevant werden können. Das ist keine reine Personalnotiz. Es ist ein Prinzip: Neue Spielerinnen werden nicht integriert, indem sie sofort das ganze System perfekt kennen. Sie werden integriert, wenn die ersten zwei Nachbarinnen wissen, welche Hilfe, welche Körperstellung und welcher Auslöser verbindlich sind.

2. Spanien zwingt zur Schwerpunktregel

Der Gegner macht den Wiederstart nützlich. Spanien ist laut DHB nicht nur individuell stark, sondern spielt ab der Jugend ein erkennbares System und orientiert sich stark an physischen Kreisspielerinnen. Die RFEBM bestätigt den Umbau unter Joaquín Rocamora und den Lehrgang in Granollers als kompakte Arbeitswoche. Für Trainer ist das ein Geschenk: Ein Schwerpunkt des Gegners zwingt die eigene Mannschaft, eine einfache gemeinsame Regel zu formulieren. Gegen kreisorientierte Angriffe darf der Mittelblock nicht im Bauchgefühl verteidigen.

Die Regel könnte lauten: Erste Hilfe nur mit Rückkehrspur. Das heißt: Wer gegen den Rückraum aushilft, muss schon wissen, wie der Kreis danach wieder geschlossen wird. In der Halle lässt sich das sofort übertragen. Stelle zwei Kreisspielerinnen oder einen sehr aktiven Kreis plus zweite Welle in den Trainingsangriff. Die Abwehr bekommt keine lange Theorie, sondern drei Worte: Kontakt, Hilfe, Rückkehr. Danach wird nicht zuerst das Tor bewertet, sondern ob die Hilfe den Kreisraum wirklich wieder geschlossen hat.

3. Der zweite Test ist kein Nachschlag

Deutschland und Spanien spielen zweimal binnen drei Tagen. Das klingt nach Wiederholung, ist aber methodisch interessant. Spiel eins zeigt, welche gemeinsamen Bilder unter Gegnerdruck halten. Spiel zwei zeigt, ob eine Mannschaft aus dem ersten Feedback eine saubere Korrektur macht. Für Vereinstrainer steckt darin ein einfacher Wochenbau: Am Freitag wird nicht alles repariert, was am Mittwoch unsauber war. Es wird eine einzige Rückmeldung gewählt und am Samstag erneut geprüft.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Testspiel und Trainingsspiel. Ein Testspiel sammelt Befunde. Ein Trainingsspiel entscheidet vorher, welcher Befund wertvoll ist. Wenn der Wiederstart gelingen soll, darf der Trainer nicht alle Fehler gleich behandeln. Nach langer Pause sind ein zu spätes Heraustreten, ein schlechter Rückpass und ein verpasster Kreisblock nicht drei getrennte Katastrophen. Sie können derselbe Befund sein: Die gemeinsame Sprache ist noch nicht schnell genug.

Die Trainer-Transfers

Erster Transfer: Baue den Neustart als Drei-Zustände-Training. Zwölf Minuten Abwehrsprache, zwölf Minuten Ballgewinn-Anschluss, zwölf Minuten gegnerischer Schwerpunkt. Alles andere kommt erst, wenn diese drei Bilder stabil genug sind. Die Spielerinnen sollen nach jeder Serie nicht erklären, was der Spielzug heißt, sondern welchen Zustand sie erkannt haben.

Zweiter Transfer: Integriere neue Rollen über Nachbarregeln. Eine neue Innenblock-Spielerin bekommt nicht den ganzen Abwehrkatalog, sondern drei verbindliche Signale mit ihren direkten Partnerinnen: Wann gehe ich raus? Wer schließt den Kreis? Wer übernimmt den Rückraum, wenn ich spät zurückkomme? Erst wenn diese Dreierbeziehung hält, wird das System größer.

Dritter Transfer: Nutze Doppelspiele als Feedbackschleife. Spiel eins bekommt eine klare Beobachtungsfrage, Spiel zwei nur eine Korrektur. Beispiel: Mittwoch zählt ihr jede Hilfe ohne Rückkehrspur. Donnerstag trainiert ihr exakt diese Rückkehr. Samstag spielt ihr wieder und bewertet nur diese eine Größe. So wird der zweite Test kein Nachschlag, sondern ein Lernbeweis.

Der Donnerstagssatz: Nach einer langen Pause gewinnt nicht das Team, das am schnellsten alles wiederholt, sondern das Team, das am schnellsten wieder dasselbe sieht.

Die Grenze der Einordnung bleibt wichtig. Vor dem ersten Spanien-Spiel sind keine aktuellen Leistungsdaten aus diesem Lehrgang öffentlich. Niemand kann seriös behaupten, welche Abwehrvariante am Freitag trägt. Bestätigt ist aber der Rahmen: lange Pause, kurzer Mikrozyklus, veränderte Rollen, ein systemstarker Gegner und zwei Spiele in drei Tagen. Genau daraus entsteht der Nutzen für Trainer. Der Wiederstart ist keine administrative Phase vor dem eigentlichen Handball. Er ist die erste Spielform der neuen Saison.

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Trainer-Transfer

  • Drei-Zustände-Neustart: Abwehrsprache, Ballgewinn-Anschluss und gegnerischen Schwerpunkt nacheinander je zwölf Minuten trainieren. — Erste Woche nach Pause, Ferienblock oder verletzungsbedingtem Rollenwechsel. [Grundform]
  • Neue Rollen über Nachbarregeln integrieren: Heraustreten, Kreis schließen, Rückkehr absichern werden zuerst im Dreierverbund geklärt. — Innenblock, Halbverteidigerinnen oder Kreisverteidigung gegen physische Kreisspieler. [Fortgeschritten]
  • Doppelspiel als Lernschleife: Spiel eins beobachtet genau eine Größe, Spiel zwei prüft nur die daraus abgeleitete Korrektur. — Turnierwochenende, Testspiel-Doppel oder Trainingslager. [Fortgeschritten]

Quellen

  1. DHB – Gaugisch: Alles schnell wieder auf ein gutes Level bringen (22.09.2026) official
  2. DHB – Spanien-Doppelpack live auf Joyn und Dyn (18.09.2026) official
  3. DHB – Engel und Vogel treffen auf Mannschaftskameradinnen (23.09.2026) official
  4. RFEBM – Convocatoria para el doble duelo ante Alemania en Granollers (02.09.2026) official
  5. EHF – Women’s EHF EURO 2026: Gruppen, Austragungsorte und Termine official
  6. Sportschau – Die goldene Generation mischt das DHB-Team auf (21.09.2026) journal

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