Regeln & Wirkung REGEL · WIRKUNG № 01 · Momente nach dem Pfiff

Die Anwurfzone

Ein kleiner Kreis, drei Sekunden, ein Pfiff: Der Anwurf ist ein Startprotokoll.

Field Note 05.05.2026 7 Min Lesezeit Stephan Buttgereit

Der Ball liegt im Kreis. Der Schiri wartet. Außen schaut einmal zur Mitte. Mehr Dramaturgie braucht der Handball selten.

Der Anwurf wird stark, wenn Ball, Werfer und erste Tiefenbewegung vor dem Pfiff als eine Szene gedacht werden.

Die Anwurfzone sieht harmlos aus: ein markierter Kreis in der Mitte, ein Spieler mit Ball, ein kurzer Pfiff. Genau deshalb wird sie unterschätzt. In Wirklichkeit ist sie der erste Moment, in dem Ordnung, Regelkenntnis und Timing sichtbar werden.

Das Startprotokoll

Seit 1. Juli 2025 ist die Regel enger formuliert: Der Pfiff darf erst kommen, wenn Ball und Werfer vollständig in der Anwurfzone sind. Das nimmt dem Anwurf keine Dynamik. Es macht nur klarer, wo die Szene beginnt. Wer diese Klarheit trainiert, gewinnt keine Meter durch Hektik, sondern durch Vorbereitung.

Vier sichtbare Checks vor dem Pfiff:

  • Ball sicher in der Anwurfzone, Werfer komplett im Kreis: kein Wackelstart, keine Diskussion.
  • Außen tief und breit genug, um den ersten Blick des Werfers sinnvoll zu machen.
  • Kreisläufer oder Einläufer in Anlaufposition, nicht stehend im Deckungsschatten.
  • Rückraum mit Sicherheitsoption, falls der Gegner den Sofortweg schließt.

Nicht Tempo, sondern erster Blick

Der schnelle Anwurf ist nicht automatisch ein guter Anwurf. Entscheidend ist der erste Blick des Werfers nach dem Pfiff. Sieht er Rücken, spielt er tief. Sieht er eine noch offene Seite, spielt er halbschnell. Sieht er eine organisierte Abwehr, nimmt er Tempo raus. Das ist kein Bauchgefühl, sondern ein vorbereitetes Entscheidungsbild.

Drei Board-Bilder

Die Anwurfzone braucht drei fertige Antworten:

  • Sofort tief: direkter Ball auf den gestarteten Außen, wenn die Rückwärtsbewegung der Abwehr noch ungeordnet ist.
  • Halbschnell: zwei Pässe über Außen und Rückraum, Abschluss bevor die Halbverteidiger ihre Linie wieder schließen.
  • Geordnet: Ball sichern, wenn der Gegner den Kreis aktiv stört oder der Laufweg nicht sauber vorbereitet ist.

Druckbild statt Zufall

2026 entscheiden Topteams den Anwurf nicht mehr aus Gewohnheit, sondern aus einem klaren Druckbild: Wo ist die erste Unordnung der Rückzugsbewegung, wer trägt den ersten Kontakt, welche Seite ist für den zweiten Pass vorbereitet? Wer das vor dem Pfiff klärt, spielt nicht schneller, sondern sauberer.

Der scrapbook-würdige Moment ist nicht der Sprint nach dem Pfiff. Es ist der Blick davor: ein Außen auf der Linie, ein Werfer im Kreis, ein Trainer, der weiß, welche Antwort jetzt kommt.

Der Satz für die Halle ist kurz: Ball im Kreis, Blick tief, Entscheidung klar. Alles andere ist nur Laufen nach dem Pfiff.

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Trainer-Transfer

  • Anwurf-Protokoll trainieren: Pfiff erst nach korrekter Kreisposition, dann drei feste Antworten Sofort / Halbschnell / Geordnet. — Spielvorbereitung, 12 Minuten, jede Variante 6 Wiederholungen mit klarer Abwehrreaktion. [Grundform]
  • Der Werfer entscheidet nur über den ersten Blick: Rücken = tief, offene Seite = halbschnell, organisierte Linie = Aufbau. [Fortgeschritten]

Regelverweise

Quellen

  1. IHF Rules of the Game 2025 – Regel 10 (Anwurf) official
  2. IHF – Amended Rules of the Game enforced from 1 July 2025 official

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